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Nachlese: Lucas und Arthur Jussen beim Klavierfestival Ruhr im Konzerthaus Dortmund

Für das Klavier-Festival Ruhr 2026 verwandelte sich das Konzerthaus Dortmund am 30. Mai 2026 in ein Labor rhythmischer Energie. Die Brüder Lucas Jussen und Arthur Jussen trafen gemeinsam mit Alexej Gerassimez und Emil Kuyumcuyan auf ein Publikum, das nicht nur einen Klavierabend erwartete, sondern ein klangliches Ereignis von ungewöhnlicher Intensität. Das Programm spannte einen Bogen von Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug über Rhapsody in Blue und die Symphonic Dances from West Side Story bis zu Short Ride in a Fast Machine.


Statt mit Bartóks Sonate Sonate Nr. 146, wie im Programm angekündigt, wurde der Abend zum Erstaunen des Publikums mit „Brasilliance“ von Duke Ellington aus dessen „Latin American Suite“ eröffnet, eigens von Oran Eldor für diese besondere Besetzung arrangiert. Die Jussen-Brüder beeindruckten mit stupender Präzision und einer nahezu telepathischen Abstimmung, während Gerassimez und Kuyumcuyan dem Werk seine archaische Kraft verliehen. Die komplexen rhythmischen Verschiebungen wirkten nie konstruiert; vielmehr entstand der Eindruck eines permanenten musikalischen Dialogs, in dem jede Geste sofort beantwortet wurde. Besonders die Balance zwischen den beiden Flügeln und dem farbenreichen Schlagwerk gelang außergewöhnlich differenziert.

Ein faszinierender Kontrast dazu war Gerassimez’ eigenes Stück „Beyond Stickability“ für Schlagwerk-Duo. Hier wurde das Publikum Zeuge eines ebenso virtuosen wie unterhaltsamen Schlagabtauschs, der technische Brillanz mit Humor verband. Die beiden Perkussionisten demonstrierten eindrucksvoll, wie vielseitig und musikalisch Schlaginstrumente eingesetzt werden können.

Nach der Pause öffnete sich das Programm stärker in Richtung amerikanischer Klangwelten. Gershwins „Rhapsody in Blue“ profitierte von der Spielfreude der Jussens, die den jazzigen Charakter der Musik nie überzeichneten, sondern mit Eleganz und Leichtigkeit gestalteten. Die berühmten Themen entfalteten sich mit natürlichem Schwung und wirkten zugleich transparent und kammermusikalisch.

Zu den Höhepunkten des Abends gehörten die „Symphonic Dances“ aus „West Side Story“. Hier verschmolzen Klaviere und Schlagwerk zu einer pulsierenden Einheit. Die rhythmische Schärfe der Tänze, die lateinamerikanischen Einflüsse und die emotionale Spannung der Vorlage wurden mitreißend herausgearbeitet. Immer wieder entstand das Gefühl, als würde das Ensemble die Grenzen zwischen Konzertsaal, Jazzclub und Theaterbühne aufheben.

Den furiosen Schlusspunkt setzte John Adams’ „Short Ride in a Fast Machine“. Die Bearbeitung für zwei Klaviere und Schlagwerk entfaltete eine nahezu atemlose Energie. Motorische Rhythmen, schillernde Klangflächen und ein unerbittlicher Vorwärtsdrang steigerten sich zu einem Finale, das den gesamten Saal elektrisierte. Als der letzte Akkord verklungen war, erhob sich das Publikum zu Standing Ovations, begleitet von langanhaltendem Applaus und „Bravo“-Rufen. Als Zugabe wurden die Zuhörer schließlich mit einem Arrangement von „I’ve Got Rhythm“ von George Gershwin belohnt.

Dieses Konzert zeigte eindrucksvoll, warum Lucas und Arthur Jussen seit Jahren zu den spannendsten Klavierduos Europas zählen. Gemeinsam mit Alexej Gerassimez und Emil Kuyumcuyan präsentierten sie keinen gewöhnlichen Kammermusikabend, sondern ein musikalisches Abenteuer voller Rhythmus, Farbenreichtum und mitreißender Energie. Das Publikum im Konzerthaus Dortmund erlebte einen Abend, der lange nachhallte – nicht nur im Ohr, sondern tatsächlich „im ganzen Körper“.